Asylzentren missachten Corona-Schutzmassnahmen: Manche Menschenleben sind weniger Wert als andere

17.12.2020 - Muriel Günther

Um die Coronakrise zu bekämpfen, sollen Kontakte reduziert, Abstände eingehalten und, wenn das nicht möglich ist, Masken getragen werden. Einfache Verhaltensregeln, die uns vor dem Virus schützen sollen. Für Asylsuchende scheinen diese Schutzmassnahmen allerdings nicht gedacht zu sein, halten doch viele Asylzentren nicht einmal minimale Hygienestandards ein. Asylzentren fördern damit die Verbreitung des Virus und gefährden somit Leib und Leben von den Menschen, für die sie verantwortlich wären. Nun macht die JUSO Schweiz mit schweizweiten Aktionen auf die Missstände aufmerksam.

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Aktivist*innen der JUSO Schweiz positionierten sich mit Transparenten und Schildern vor Asylzentren und protestierten gegen die untragbaren Zustände. An folgenden Standorten fanden Protestaktionen statt:

  • NUK Urdorf (ZH)
  • Asylunterkunft Dübendorf (ZH)
  • Asylunterkunft Laret Landhaus, Davos
  • Rückkehrzentrum Aarwangen

Was diese Zentren und wahrscheinlich viele weitere gemeinsam haben: Sie halten die Corona-Schutzmassnahmen nachweislich nicht ein.

So wurden beispielsweise im Rückkehrzentrum Aarwangen mehrere Mitglieder einer Familie positiv auf Covid-19 getestet. Der negativ getestete Teil der Familie muss weiterhin im gleichen Schlafraum mit den positiv getesteten Personen zusammenwohnen. "Corona macht auch vor Asylzentren keinen halt. Trotzdem teilen sich hier 20 Leute zwei Toiletten, wie will man da die Hygiene einhalten?”, so Saeed. Der 19-Jährige lebt mit seiner Familie im Rückkehrzentrum Aarwangen. Mehrere Menschen aus dem Rückkehrzentrum schlossen sich dem Protest an, um für ihre Rechte einzustehen.

“Es darf keine Gefährdung von Menschen in Kauf genommen werden. Das Virus muss auch in Asylzentren bekämpft werden. Wir haben den Platz, notfalls auch in leerstehenden Hotels”, so Ronja Jansen, Präsidentin der JUSO Schweiz

Die JUSO fordert deshalb:

  • dass die Menschen den Platz bekommen, der ihnen zusteht - der Platz in Asylzentren muss zumindest temporär verdoppelt werden. In allen Asylzentren, nicht nur denjenigen des Bundes. Eine sinnvolle Pandemie-Bekämpfung braucht genügend Raum.
  • dass Isolations- und Quarantänemöglichkeiten auch in Asylzentren sichergestellt werden, der Zugang zu Lebensmitteln muss aber weiterhin gewährleistet werden.
  • dass die Menschen in Zentren genügend über das Virus informiert werden und sich auch selber weiter informieren können.