Unsere Geschichte

Ein Kind der Arbeiter*innenbewegung

Die JUSO – damals heisst sie aber noch nicht so – wird zu Beginn des 20. Jahrhunderts von jungen Arbeitern gegründet (Mädchen waren erst ab 1911 mit dabei). Sie sind nicht länger bereit miese Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen und Arbeitslosigkeit hinzunehmen. Zusammen mit der SP und den Gewerkschaften kämpfen sie für eine gerechte Verteilung der Reichtümer und gegen den Militarismus.

1918 gehen 400’000 ArbeiterInnen im Generalstreik für mehr Demokratie auf die Strasse. Ihre Kernforderungen sind ein faires Wahlrecht, das Frauenstimmrecht, die 48-Stunden-Woche, eine Alters- und Invalidenversicherung und gerechte Steuern. Fast alle Forderungen, abgesehen von der Letzten, setzen sich im Laufe der Zeit durch. Die JUSO, die inzwischen 5000 Mitglieder zählt, unterstützt den Streik.

Gegen Nazis und Krieg

Ab den 1930er-Jahren bekommt die nationalsozialistische Partei in ganz Europa Zuwachs. In der Schweiz nennen sich die Nazianhänger*innen «Fronten». Die Sozialistische Jugend Schweiz (SJS) wehrt sich gegen faschistische Tendenzen und deren Gefahr. So kommt es 1932 an einer Demonstration zu einer Auseinandersetzung mit der Polizei, bei der sich 70 Demonstrant*innen verletzten und 13 Menschen sterben. Da die JUSO und die kommunistische Partei (KPS) sich unterzwischen sehr nahe sind, verbietet der Bundesrat1943 beide Parteien.

Neugründung nach 1945

Nach dem 2.Weltkrieg gründet sich die sozialistische Jugend neu als «Sozialdemokratische Jugend (SDJ) und wird Mitglied der der «International Union of Socialist Youth» (IUSY), die sich 1946 gründet. Die SDJ setzt sich hauptsächlich für verbesserte Bedingungen junger Arbeitnehmer*innen ein.

1961 wird die «Vereinigung Junger Sozialdemokrat*innen» gegründet, die ab 1971 den Namen «Jungsozialist*innen Schweiz» (JUSO) trägt. Der erste Präsident heisst Andreas Gross, der bis 1983 im Amt bleibt. In dieser Zeit beteiligen sich viele JUSOs an der Gründung der „Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA)”. Dass sie sich bei der ersten Armeeabschaffungsinitiative 1989 engagieren, führt zu Auseinandersetzungen mit der Mutterpartei, der SP.

Erneuerung ab 2007

2007 verliert die SP die Wahlen. Neben der jungen CVP bleibt die JUSO als einzige Jungpartei ohne eigene Nationalrätin oder eigenen Nationalrat. Zu dieser Zeit besteht die Organisation aus ein paar linken Intellektuellen ohne Ausstrahlungskraft. Dies musste sich ändern.

Im Jahr 2007 verliert die gesamte Linke bei den Wahlen und die JUSO präsentiert sich nicht gerade vielfältig. Die Geschäftsleitung packt Reformen an, bei denen ein Präsidium geschaffen wird, welches das Aushängeschild für die Partei wird.

An der Delegiertenversammlung wird 2008 der Aargauer Cédric Wermuth zum ersten Präsident seit den 1980er-Jahren gewählt. Provokante Aktionen und Positionsbezüge werden zum Markenzeichen der JUSO. Die herrschenden Verhältnisse sollen nicht nur kritisiert, sondern grundlegend in Frage gestellt werden. Die JUSO verdoppelt in dieser Zeit ihre Mitgliederzahl auf 3000, sie wird präsenter in den Medien und ihr Einfluss auf die Mutterpartei nimmt zu. Interne Bildungsarbeit wird wieder mehr beachtet und 2009 findet das erste Sommerlager mit 150 Teilnehmer*innen statt.

1:12 – für gerechte Löhne

Im Juli 2009 wird die „1:12-Initiative für gerechte Löhne” lanciert. Niemand soll in einem Jahr weniger verdienen als Top-Manager*innen im selben Unternehmen in einem Monat. Die Initiative sorgt landesweit für Aufsehen, für rote Köpfe bei den bürgerlichen Parteien und bei den Wirtschaftsverbänden. In der ganzen Schweiz sammeln JUSO-Aktivist*innen knapp 130’000 Unterschriften. Im März 2011 wird die Initiative eingereicht.

Zwei Jahre später, 2013, kommt die Initiative zur Abstimmung. Zusammen mit der SP und den Gewerkschaften setzt sich die JUSO für gerechte Löhne und gegen Abzocker*innen ein. Daraus entsteht die Debatte über Lohngleichheit der Geschlechter und es wird in Frage gestellt, ob die Demokratie auch in der Wirtschaft mitreden darf. An der Kampagne engagieren sich mehrere Tausend Menschen.

Die neue Strategie etabliert sich

Mit der Einreichung der 1:12-Initiative im Jahr 2011, vollzieht sich eine personelle Erneuerung. David Roth übernimmt das Präsidium von Cédric Wermuth und Kristina Schüpbach übernimmt das Zentralsekretariat von Tanja Walliser. Auch die Geschäftsleitung erneuert sich komplett. Die Nationalratswahlen sind ein Erfolg geworden. Mit rund 1% Stimmenanteil ist die JUSO mit Abstand die stärkste Jungpartei.

Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln

Nach der 1:12-Initiative und erfolgreichen Wahlen muss ein neues nationales JUSO-Projekt her. 2012, nach langen Diskussionen, wird schliesslich die Spekulationsstopp-Initiative lanciert. Mit der Initiative will die JUSO die Spekulation auf Nahrungsmittel als widerlichste Form der Profitmacherei verbieten. In nur 11 Monaten sammeln zahlreiche Aktivist*innen der JUSO über 130‘000 Unterschriften. Nach einem intensiven Abstimmungskampf kommt im Februar 2016 die Spekulationsstopp-Initiative zur Abstimmung. Sie erzielte mit 40% Ja-Anteil ein gutes Resultat und beweist, dass die Hungerproblematik, verursacht durch reine Finanzakteure, beschäftigt.

Präsidiumswechsel

Nach dem Unterschriftensammeln wird im März 2014 Fabian Molina neuer Präsident der JUSO Schweiz. Fabian führt den erfolgreichen Abstimmungskampf der Spekulationsstopp-Initiative. Im Dezember zuvor hat Dario Schai das Zentralsekretariat der Partei übernommen.

Die 99%-Initiative

Bereits 2016 gibt Fabian Molina sein Präsidiumsamt weiter. Die feministische Sozialistin, Tamara Funiciello, übernimmt das Präsidium. Bisher von Männer geprägt und geführt und heute nimmt die JUSO eine feministische Perspektive und Haltung ein. Mit Tamara wird 2016 ausserdem die 99%-Initiative gestartet. Sie fordert, dass das Kapitaleinkommen 1.5-mal so stark wie das Arbeitseinkommen besteuert wird. Somit sollen Menschen mit tiefen und mittleren Einkommen entlastet werden. Im Oktober 2017 wird die Initiative lanciert und bereits im Februar 2019 wird die fertiggesammelte Initiative eingereicht. Der Abstimmungskampf ist in Vorbereitung, denn die Initiative kommt im Jahr 2021 vor das Volk.

«Die Revolution wird feministisch oder unbedeutend!»

Mit diesem Slogan und mit viel feministischem Gedankengut prägt die JUSO den Frauenstreiktag im Jahr 2019 mit. Am 14.Juni, wie vor knapp 30 Jahren, strömen hunderttausend, violett-gekleidete Menschen in der ganzen Schweiz auf die Strassen. Denn auch nach 30 Jahren muss immer noch für die Gleichstellung der Geschlechter, für Lohngerechtigkeit und gegen sexuelle Gewalt an Frauen gekämpft werden. JUSO-intern sind wir nicht geweiht vor Geschlechterdiskriminierung. Mit Safespaces und geschlechtergetrennten Räumen versuchen wir Ruhe, Sicherheit und Austauschmöglichkeiten für alle Geschlechter zu bieten. Die JUSO versucht die strukturelle Problematik zu erklären und sie zu durchbrechen.

Tamara Funiciello's Rücktritt

An der Delegiertenversammlung im August 2019 verabschieden wir Tamara Funiciello aus dem Präsidium. Eine Frau, die sich für ihre Partei, für die Frauen und für die 99% stark macht und viel Kritik dafür entgegennehmen muss. Bereits ein Monat nach Tamaras Rücktritt wird sie im Oktober 2019 als Nationalrätin gewählt.

Mit ihr wurde die JUSO auf feministische Themen sensibilisiert und dafür braucht es eine Frau im Präsidium, die das weiterführt. Nach Hearings und Kampfwahlen entscheidet die Baslerin, Ronja Jansen, das Rennen für sich. Mia Jenni, die ebenfalls für den Sitz kandidiert, wird wenig später in die Geschäftsleitung gewählt.

Nationalratswahlen 2019

Die Klimastreikbewegung demonstriert, streikt und veranstaltet unermüdlich Aktionen, um auf die uns bevorstehende Klimakrise aufmerksam zu machen. Die Nationalratswahlen werden stark davon geprägt. Die Grüne und die Grünliberale Partei gewinnen viele Wähler*innen dank der präsenten Thematik. Die JUSO tritt in vielen Sektionen mit mindestens einer Liste an und hat schweizweit 0.1% mehr Wähler*innenanteil im Vergleich zu den Wahlen im Jahr 2015. Neu sitzen sieben JUSO-Mitglieder im Nationalrat, so viele wie noch nie! Dank der grossen Arbeit der Sektionen sind so viele Kandidaturen überhaupt möglich gewesen.