Resolution verabschiedet an der Jahresversammlung der JUSO Schweiz vom 14.-15.02.2026 in Bern
Die Nacht des 3. Januar 2026 markiert das Ende einer Epoche und den Beginn eines äusserst gefährlichen politischen Moments. Die US-amerikanischen Streitkräfte haben Caracas bombardiert, den Präsidentenpalast gestürmt und Nicolás Maduro sowie seine Ehefrau Cilia Flores entführt. Ohne Unterstützung der politischen Institutionen, wie etwa des Senats, hat die Trump-Administration die Souveränität eines lateinamerikanischen Landes angegriffen. Diese Tat ist die logische Konsequenz mehrerer Monate der Eskalation seitens der Vereinigten Staaten. Dabei handelt es sich jedoch um weit mehr als ein Ereignis am Rande, sondern um die Faschisierung einer imperialistischen Nation, die keine Grenzen mehr kennt. Dazu kommen neue Möglichkeiten im Feld der (neo)kolonialen Beziehungen. Die Trump-Administration hat laut und deutlich verkündet, dass sie sich nicht länger dem Völkerrecht “unterwerfen” wird. Sie hat ihre absolute Macht sehr wohl erkannt – und ebenso, dass sich kein Staat des imperialen Zentrums ihr widersetzen wird.
Im sogenannten globalen Norden bemühen sich Medien und Regierungen darum, vom eigentlichen Problem abzulenken. Es geht dann leider nicht mehr um das Völkerrecht oder die nationale Souveränität, sondern vielmehr um das bestehende venezolanische Regime. Es ist klar, dass keine amerikanische oder allgemein westliche Intervention jemals zur Demokratisierung eines Staates geführt hat; die einzigen Ziele der Kolonisation sind die Ausbeutung der Bevölkerung und die Extraktion von Ressourcen. Auch in diesem Fall kümmern sich die Vereinigten Staaten nicht um das bestehende Regime: Es geht ausschliesslich um Profit durch Privatisierung, im Interesse der US-amerikanischen Kapitalist*innen, aus der riesigen venezolanischen Erdölindustrie. Der parallele Versuch der USA, im Iran erneut ein imperial geprägtes Regime zu installieren, zeigt deutlich das mangelnde Interesse der Vereinigten Staaten an Demokratie.
Dieser plötzliche Wandel der internationalen Politik, mit Interventionen in Venezuela sowie zahlreichen Drohungen gegenüber Grönland, Iran, Kuba und Kolumbien, darf nicht unterschätzt werden. Die Nation der „Manifest Destiny“, der Monroe-Doktrin und der antikommunistischen Interventionen während des Kalten Krieges war zwar schon immer imperialistisch geprägt, und seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurden verschiedene brutale Kriege geführt (Afghanistan, Jemen, Irak usw.). Dennoch handelt es sich um einen tiefgreifenden Wandel der Weltordnung, da frühere Kriege seit dem 11. September 2001 stets mit Islamfeindlichkeit gerechtfertigt wurden. Mit Venezuela verschiebt sich nun das Ziel der USA. Die gesamte Erde wird zum potenziellen Opfer des amerikanischen Imperiums – sogar Europa mit Grönland.
Diese Umwälzung ist beunruhigend für all jene, denen Demokratie, Freiheit und die Selbstbestimmung der Völker am Herzen liegen. Darüber hinaus zeigt dieser Angriff erneut, dass das US-amerikanische Imperium Feind der Sozialist*innen weltweit ist. Denn er liefert einen weiteren Beweis dafür, dass die internationalen kapitalistischen Kräfte keinerlei Nationalisierung oder Kollektivierung der Produktionsmittel zulassen werden – insbesondere nicht bei strategischen Ressourcen. Solange das Imperium besteht, ist daher keine Form von Sozialismus wirklich möglich.
Die JUSO Schweiz engagiert sich folglich gegen das US-amerikanische Imperium. Wir kämpfen für die Überwindung dessen, da mit dem Imperium nie eine Befreiung aller Menschen möglich sein wird. Um diese Machtstruktur zu bekämpfen, fordert die JS Schweiz:
- die sofortige Schließung des NATO-Verbindungsbüros in Genf und der US-amerikanischen Botschaft in Bern.
- die Beschlagnahmung der in der Schweiz befindlichen Vermögenswerte amerikanischer Kapitalist*innen, die von Kriegen und (Neo-)Kolonisation weltweit profitieren, und deren Reinvestition zugunsten der geschädigten Bevölkerungen.