Resolution verabschiedet an der Jahresversammlung der JUSO Schweiz vom 14.-15.02.2026 in Bern
Rojava ist in Gefahr. Und damit ein demokratischer, sozialistischer, feministischer und ökologischer Gesellschaftsentwurf. Was die syrischen demokratischen Kräfte (SDF) in den vergangen zehn Jahren in Rojava selbstverwaltend Realität werden liess, ist für uns ein Leitstern der realen Alternativen: Feminismus, Ökologie, wahrhaftige Demokratie und Gleichberechtigung. Seit den Kurd*innen 1923 mit den Verträgen von Lausanne einen eigenen Nationalstaat verwehrt wurde, werden die kurdischen Gebiete Bakur, Rohjalat, Bashur und Rojava von der Türkei, Iran, Irak und Syrien beansprucht und besetzt. Seit über 100 Jahren befindet sich das kurdische Volk in einem Verteidigungskampf gegen Diskriminierung, Unterdrückung und Besatzung. Dazu haben sie in den Zeiten des erstarkenden Islamischen Staates (IS) diesen bekämpft. Die Kurd*innen und ihre Verbündeten haben den IS schliesslich besiegt – aber massive Verluste zu beklagen. Anschliessend wurden sie von der internationalen “Anti-IS-Koalition” im Stich gelassen und mussten die Gefangenhaltung mehreren zehntausend IS-Terrorist*innen und Anhänger*innen organisieren.
Dieses Wegschauen und im Stichlassen durch die ehemaligen Verbündeten gipfelte anfangs Januar 2026: Die USA und Israel segneten einen erneuten Angriffskrieg auf Rojava ab.
Nach diesem brutalen Angriffskrieg durch die syrische Übergangsregierung – unterstützt durch jihadistische Milizen und die türkische Armee – wurden die selbstverwalteten Gebiete dezimiert. Über zehntausend Familien mussten vor den Angriffen fliehen und mehrere tausend Menschen wurden verschleppt.
Dieser Angriff muss als Angriff auf eine alternative Gesellschaft als solches verstanden werden. Dieser Entwurf einer gerechten Gesellschaft gilt es von einer internationalistischen Linken mit Solidarität und Konsequenz zu verteidigen. Wir verpflichten uns weiterhin der internationalistischen Verteidigung Rojavas.
Der drohnende Genozid an der kurdischen Bevölkerung durch die syrische Übergangsregierung unter dem Al-Qaida Terrorist und sogenannten «Übergangspräsidenten» Ahmed Al-Sharaa konnte dank einem Waffenstillstandsabkommen verhindert werden. Jedoch kann weder der syrischen Übergangsregierung und den jihadistischen Milizen noch der Türkei getraut werden. Dieser Waffenstillstand ist äusserst fragil und die Lage in Rojava und Syrien bleibt instabil.
Um nur einige Beispiele zu nennen: die Belagerung der Stadt des Widerstandes Kobanê bleibt weiterhin bestehen. Berichte aus besetzten Gebieten legen nahe, dass die Frauen entrechtet und Grabschändungen betrieben werden. An eine Rückkehr für die Vertriebenen ist aus Angst vor Rache und Misshandlung nicht zu denken.
Wir stehen weiterhin solidarisch an der Seite Rojavas, an der Seite der Kurd*innen und allen weiteren religiösen und ethnischen Minderheiten in Syrien. Deshalb fordern wir:
- Der Bundesrat:
- muss sich deutlich und konsequent für ein Ende der Belagerung Kobanês einsetzen.
- muss sofort alles in seiner Macht stehende tun, um bitter nötige humanitäre Hilfe nach Rojava zu bringen.
- muss sich für die Autonomie der kurdischen Gebiete und gegen die Besatzung durch die syrische Armee einsetzen. Und für das Weiterbestehen der Minderheitenrechte und des Minderheitenschutzes und die Erhaltung der Frauenrechte in den besetzten Gebieten.
- darf keine Ausschaffungen nach Syrien, Iran, Irak und Türkei durchführen.
- Alle allfälligen Kriegsverbrechen müssen aufgearbeitet und verfolgt werden.
- Sofortige Freilassung aller durch die syrische Armee und jihadistischen Milizen verschleppten Menschen.
- Die Aberkennung des Al-Qaida-Terroristen Ahmed Al-Scharaa (Jolani) als Übergangspräsidenten und dessen Übergangsregierung. Und das Ende der staatlichen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dieser Übergangsregierung