Resolution der JUSO Schweiz zur Hochschulpolitik

12.12.2009

Resolution verabschiedet an der Delegiertenversammlung vom 12.12.09, Lausanne

Als SozialistIinnen und Sozialisten kämpfen wir für die Freiheit und gegen die Bevormundung. Frei sind Menschen nur, wenn sie über genügend Informationen verfügen um sich gegen eine Vereinnahmung von aussen zu wehren. Bildung ist damit ein Grundpfeiler der Demokratie und ein. Sie hat drei Ziele: Die Emanzipation und Selbstverwirklichung des Individuums und die Generierung von gesellschaftlichem Wissen. Zu diesen Zielen sollen auch die Hochschulen, also Universitäten und Fachhochschulen, beitragen. Bildungsinstitutionen gehören grundsätzlich nicht in private Hände, sondern sind eine Aufgabe der öffentlichen Hand.

Bologna und die Protestaktionen

Die JUSO Schweiz befürwortet im Grundsatz die Bestrebungen nach einem harmonisierten Hochschulraum Europa. Der Bologna-Prozess weist jedoch eine ganze Reihe von Fehlern auf. Die Reform führt im Einklang mit der Lissabon-Strategie zu einer Ökonomisierung und Verschulung der Hochschulen. So wurde der Bologna Deklaration erst 2007 der Pfeiler „employability“ hinzugefügt. Es geht heute bei der ganzen Reform vor allem darum, die Universitäten an den Ansprüchen „des Marktes“ auszurichten.

Bologna hat nicht zu einer höheren studentischen Mobilität geführt – im Gegenteil: Die studentische Mobilität ist sogar im Abnehmen begriffen. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Mängeln an der schweizerischen Umsetzung des Bolognaprozesses. Insbesondere muss die Schweizer Politik einsehen, dass eine erfolgreiche Reform nicht gratis zu haben ist. Wir unterstützten deshalb die europaweiten Studierendenproteste und solidarisieren uns mit den friedlichen Besetzungen. Die JUSO Schweiz ist bereit, die demokratisch formulierten Forderungen in den politischen Prozess auf nationaler Eben einzubringen. Wir wehren uns aber gleichzeitig gegen die Vereinnahmung der Aktionen durch undemokratische Gruppierungen.

Blick über den Tellerrand

Wir fordern die Protestierenden auf, den Blick über den Tellerrand zu wagen. Bildungspolitik endet nicht beim Ausgang der Aula. Wir fordern nicht nur Verbesserungen für die akadmische Bildung, sondern ebenso für NichtakademikerInnen. Nicht-AkademikerInnensollen sollen für Weiterbildungen ebenfalls grosszügige Stipendien erhalten und die Studierendenschaften sollen ihre Angebote für Nicht-AkademikerInnen öffnen (ASVZ, Bücherläden, etc.).

Wir fordern zusammen mit den protestierenden Studierenden:

Keine Benachteiligung der NichtakademikerInnen

  • Wir fordern, dass jeder und jede unabhängig von seinem oder ihrem Bildungsgrad nach 10 Jahren in der Arbeitswelt einen freien Zugang zur Hochschulbildung erhält

Keine Selektion an den Hochschulen

  • Wir fordern die Abschaffung von Studiengebühren
  • Wir fordern einen Ausbau und eine materielle Harmonisierung des Stipendienwesen
  • Wir fordern die Abschaffung jeglicher Zugangsbeschränkungen (z.B. Numerus clausus)

Keine Ökonomisierung der Hochschulen

  • Wir lehnen die private Finanzierung von Studiengängen oder Instituten ab!
  • Wir wollen keine Studiengänge, die sich ausschliesslich nach dem Arbeitsmarkt richten
  • Wir fordern die Verbesserung der Betreuungsverhältnisse

Mehr Demokratie wagen

  • Wir fordern verfasste Studierendenschaften an allen Unis
  • Wir fordern und ein Demokratieverfassung für das gesamte Bildungwesen: Studenten, Schüler, LehrerInnen, ProfessorenInnen, Asstistierende und Angestellte sollen gemeinsam entscheiden!

Mehr Breite wagen

  • Wir fordern eine kritische Universität. Es braucht mehr ein breiteres Angebot auch an kritischen Lehrangeboten .