Das Internet hat in den Händen einiger weniger superreicher Tech-Oligarchen dunkle Abgründe entwickelt: In der Manosphere radikalisieren sich junge Männer zu Incels, queerfeindlichen Frauenhassern und gewaltbereiten Rechtsextremen. Diesem hasserfüllten Antifeminismus muss ein Ende bereitet werden: Wir müssen die Manosphere zerschlagen!
Manosphere: Wo Frauenverachtung zur Normalität wird
Die Manosphere beschreibt Online-Communitys, -Foren und -Blogs, in denen männliche Influencer mit antifeministischen und frauenverachtenden Inhalten dominieren. Zur Manosphere gehören beispielsweise Maskulinisten, wie Andrew Tate, oder Foren, in denen sich sogenannte Incels treffen. Während feministische Inhalte häufig als politisch wahrgenommen und weniger ernst genommen werden, wird die Manosphere als apolitisch und seicht dargestellt. Dabei ist die Manosphere alles andere als seicht und tief politisch: Diese Orte sind geprägt und gefüllt mit Inhalten, die Frauen objektifizieren, sexualisieren und sexualisierte Gewalt als legitim und verdient darstellen. Damit wird in der Manosphere nicht nur das Patriarchat weiter gefestigt, sondern der antifeministische Backlash zementiert.
Bei Worten bleibt es nicht. In der Manosphere radikalisieren sich junge Männer so weit, dass auf hasserfüllte Inhalte Taten folgen: Diese Radikalisierung zur Gewalt ist nicht neu und passiert weltweit: Bereits 2014 ermordete der selbsternannte Incel Elliot Rodger sechs Menschen in Kalifornien, 2018 ermordete Alek Minassian zehn Personen. In der Schweiz wurde bisher mindestens zwei Incel-Attentate verübt, wovon eins öffentlich bekannt ist: 2020 fährt ein junger Frauenhasser in Amriswil zwei Frauen mit einem Auto an und verletzt beide schwer.1 Diese Attentate werden in der Manosphere als märtyrerische Handlungen verherrlicht, ihre Täter als Helden glorifiziert.
Keine Macht den Tech-Bros!
Die Manosphere könnte nicht existieren ohne digitale Infrastruktur und Plattformen, die nicht oder zu wenig gegen gewaltverherrlichende und unterdrückerische Inhalte vorgehen. Die superreichen Besitzer der grössten Plattformen, mit Namen wie Elon Musk oder Mark Zuckerberg, kennen alle, aber kaum je wird hinterfragt, was für eine Macht sie haben. Einige wenige haben in der Hand, was verbreitet oder gelöscht wird. Was in ihren Algorithmen angezeigt wird und was verschwindet. Sie geben der Manosphere den Nährboden und dem Antifeminismus den Dünger.
Gleichzeitig drücken sich bürgerliche Parteien vor politischer Verantwortung und weigern sich, patriarchale Gewalt im digitalen Raum als Problem anzugehen. Jüngste Skandale sexualisierter Gewalt im digitalen Raum, wie beispielsweise die Verbreitung von Deepfake-Pornografie ohne Einverständnis der gezeigten Frauen, die auch als virtuelle Vergewaltigung bezeichnet wurde, hätten durch konsequente Regulierung von Plattformen und neuen Technologien verhindert werden können. Der digitale Raum bietet den Nährboden für neue Formen sexualisierter Gewalt, gegen die ohne grundlegende Regulierung und Verbote nicht vorgegangen werden kann.
Antifeminismus: Die Einstiegsdroge zum Rechtsextremismus
Die Manosphere zeichnet sich vor allem durch eins aus: Verachtung gegenüber dem Feminismus, Queers und Frauen. An sich schlimm genug, sind diese unterdrückerischen Inhalte gerade aber häufig auch noch der erste Schritt zur rechtsextremen Radikalisierung junger Männer. Algorithmen sind dafür bekannt, einerseits immer mehr vom gleichen, aber auch immer radikalere Inhalte vorzuschlagen. So zeigt beispielsweise ein aktuelles Experiment von SRF, dass nach nur wenigen Minuten Scrollen auf Tiktok mit einer Vorliebe zum Thema Fitness bereits erste Inhalte der Manosphere angezeigt werden.2
Gleichzeitig schlagen Antifeminismus und Frauenhass die Brücke von der gesellschaftlichen Mitte hin zu rechtsextremer und faschistischer Ideologie. Solche patriarchalen Einstellungen bilden einen normalisierten Teil rechtsextremer Inhalte ab und machen weitere Teile so anschlussfähig.3
Für die feministische Revolution!
Feminizid statt Feminismus, Incel-Foren statt Präventionsplattformen und Profit statt Menschenleben - in diesem System leben wir und dafür verantwortlich sind die superreichen Tech-Bros. Kein Zufall, dass so die Manosphere aufblüht. Antifeminismus generiert Profit, Aufmerksamkeit und Macht - und bringt Menschen um. Solange gewisse einflussreiche Menschen davon profitieren, wird sich das nicht ändern! Die Manosphere muss zerschlagen werden! Deshalb fordert die JUSO Schweiz:
- Sicherheit statt Aufrüstung: Statt 2.4 Milliarden für neue Rüstungsmittel für die patriarchale Armee zu verprassen, muss dieses Geld in wahre Sicherheit fliessen: In die Bekämpfung von sexualisierter Gewalt, wie beispielsweise den massiven Ausbau von barrierearmer und queerfreundlicher Schutzinfrastruktur und Opferberatungsstellen.
- Prävention statt Gewalt: Nur Prävention gegen Maskulinismus und sexualisierte Gewalt schafft langfristig Sicherheit. Es braucht einen Ausbau der Täter*innenprävention, feministische Aufklärungsarbeit gegen Maskulinismus und konsensorientierten Sexualkundeunterricht an Schulen, um langfristig Gewalt zu verhindern.
- Solidarität statt rechter Terror: Feminizide müssen als solche anerkannt, dokumentiert und bekämpft werden. Dafür braucht es ausgebaute Kampagnen gegen patriarchale Gewalt.
- Regulierung statt Hetze: Plattformen müssen rigoros gegen die antifeministischen, gewaltverherrlichenden Inhalte der Manosphere vorgehen. Es braucht klare Verbote für Gewalt und Hetze auf digitalen Plattformen, einfache Meldefunktionen und ein Verbot von Vorschlags-Algorithmen.
Quellen:
1 https://www.srf.ch/news/schweiz/hass-auf-frauen-er-fuhr-los-um-zu-toeten
2 www.srf.ch/news/schweiz/radikalisierung-auf-tiktok-der-toxische-sog-der-manosphere